CORONA VS. FASNACHT – WELCHER VIRUS GEWINNT?

Was wir bis vor ein paar Monaten nur als Bier mit Limettenschnitz kannten, ist inzwischen zu einem wahrlich komplizierten Thema geworden: Corona. Die Corona-Krise hat unsere grosse Welt, aber auch die etwas kleinere um jeden einzelnen von uns, auf verschiedene Weise verändert. Während die einen weniger davon spüren, sind andere von uns tagtäglich mit den Auswirkungen konfrontiert. Von existenziellen Auswirkungen und Ängsten bis zu den fast schon alltäglichen und inzwischen «normalen» Einschränkungen ist die Bandbreite mannigfaltig. Was bedeutet das für die Noggeler? Die kameradschaftlichen Umarmungen und die Leichtigkeit der Begegnungen fehlen uns. Wie also gehen wir als Verein mit dieser Situation um? Befinden wir uns in der Krise?

Klar ist, dass auch wir einen Umgang mit der Situation finden müssen. Die geltenden Vorschriften haben sehr wohl einen Einfluss auf unser Vereinsleben.  Das betrifft nicht nur die Durchführung der Fasnacht an sich. Im Jahr 2021 feiern die Noggeler ihr 50-jähriges Jubiläum, Krise hin oder her. Wir sind ein Verein und darauf ange-wiesen, unser Vereinsleben aktiv gestalten zu können. Unser Verein lebt von den Begegnungen, der Geselligkeit, und dem gemeinsamen Musizieren. Und er lebt von der Freude, die wir mit unserem Tun unter unseren Gönnern, Freunden und Fans ver-breiten können. Da stehen wir also nun. Was mit der Absage der Basler Fasnacht anfangs März seinen Anfang nahm, steht nun bei uns nach mehr als 6 Monaten immer noch vor der Tür: Eine Absage der Fasnacht? Ist das überhaupt möglich? Wer führt die denn überhaupt durch? Wenn sie stattfindet, unter welchen Rahmenbedingungen und unter wessen Aufsicht? Und überhaupt: Wollen wir das überhaupt?

In Anbetracht der Situation sind das zuge-gebenermassen sehr schwierige Entscheidungen. Nicht nur für uns, sondern für alle Fasnachtsverrückten. Die Frage, wie weit man sich und andere einer potentiellen Gefahr aussetzen möchte, die traditionellerweise am Schmutzigen Donnerstag mehr oder weniger unkontrolliert ausbricht und bis zum Aschermittwoch andauert, muss aktuell jeder einzelne Fasnächtler und auch jeder einzelne Fasnachtsverein für sich selber entscheiden. Die Meldungen von Zünften, Fasnachtsorganisationen und einzelnen Vereinen überschlagen sich. Der breite Konsens ist, dass man eine reduzierte Fasnacht, welche durch Bestimmungen, Einschränkungen und Sicherheitskonzepte geprägt ist, nicht will. Man hat ja zuweilen schon Mühe, der Grössenbeschränkung der Kaffeewagen in der Altstadt mit Vernunft und Einsicht zu begegnen. Die Umzüge vom Luzerner Fasnachtskomittee sind abgesagt, ebenso der Fasnachtsmäärt und die Usgüüglete. Die Zünfte überlegen sich aktuell, ob sie die Tagwache am Schmudo und am Güdisdienstag in einem reduzierten Rahmendurchführen können. Neue Zunftmeister werden möglicherweise gar nicht gewählt, die aktuellen hängen noch ein Jahr dran. Praktisch sämtliche Vorfasnachtsanlässe sind abgesagt, da läuft also nix. Hingegen wollte der Vorstand der «Vereinigte» aktuell noch an den Plänen für den Bau von Guuggerbühnen und die Durchführung des Monstercorso festhalten, hat aber inzwischen den Kurs ebenfalls in Richtung Absage geändert. Zu guter Letzt hat nun auch noch die Stadt Luzern den Stecker gezogen und schreibt in einer Medienmitteilung: «Für die Stadt ist klar, dass aufgrund der epidemiologischen Lage und den aktuell gültigen gesetzlichen Bestimmungen keine Fasnacht durchgeführt werden kann.».

Damit ist der Fall also klar: Im 2021 wird auch die Noggeler  Guuggenmusig keine Fasnacht machen.

Für uns geht es nicht darum, ob wir mit neuem Sujet und Grind oder mit Pappschild und Aluhut durch die Stadt tingeln. Und es geht auch nicht um unser 50-jähriges Jubiläum. Momentan geht es einzig und allein darum, unser Vereinsleben, unser Umgang mit dem Kulturgut Fasnacht, unter den gegebenen Umständen aufrechtzuerhalten. Hinzu kommen die Bereitschaft der Mitglieder und das Verständnis der Bevölkerung. Für unseren Verein bedeutet dies, dass wir vermehrt unsere Noggeler-Kultur pflegen und füreinander da sind. Es ist eben nicht die Fasnacht, sondern es sind nur die Fasnachtstage, die uns im 2021 abhandenkommen werden. Natürlich war das bisher immer der Höhepunkt, auf den wir hingearbeitet haben. Aber andererseits ist dieser Höhepunkt kein Höhepunkt, wenn wir uns nicht durch eine ganze Vorfasnachtszeit an diesen herantasten können. Ohne die ausgelassene Stimmung im Schweizerhof an unseren Gönneranlässen, ohne das gesellige Beisammensein an der Kilbi unter der Egg, welche ja bekanntlich auch nicht stattgefunden hat. Ohne die vielen unbeschreiblichen Auftritte an der Vorfasnacht, welche unsere Vorfreude auf die Fasnacht dann vollends entfacht hat. Darauf zu hoffen, dass dieses Virus wie durch Zauberhand (oder die Einnahme von Desinfektionsmittel unter direkten Sonneneinstrahlung) verschwindet, wird wohl nicht sehr viel zur Beseitigung dieses Käfers bis Anfang 2021 beitragen. Wir machen das also folgendermassen: Wir unterhalten uns im Vorstand und mit den Mitgliedern regelmässig darüber, was zum aktuellen Zeitpunkt möglich, sinnvoll und vertretbar ist. Wir haben Mitte September die Probesaison in Angriff genommen. Hierfür haben wir mit der Messe Luzern eine  Partnerin gefunden, die ideale Rahmenbedingungen für den Probebetrieb unter Einhaltung der Schutzmassnahmen ermöglicht. Obwohl die am 18. Oktober 2020 vom Bundesrat verkündeten Einschränkungen uns zu einer Probepause zwingen, sind wir sehr dankbar für die Unterstützung. Daneben werden wir in Kürze mit den Bastelarbeiten für die jährliche Dekoration vom Bahnhof Luzern beginnen und wir arbeiten wie jedes Jahr an unserem neuen Sujet. Wir haben aktuell keinen einzigen Vorfasnachtsauftritt geplant. Alle Anlässe wurden bereits abgesagt oder werden zumindest von den Veranstaltern aktuell auf ihre Durchführbarkeit geprüft. Ebenso offen ist aktuell die Durchführung unserer Gönneranlässe im Schweizerhof. Natürlich würden wir gerne unseren Gönnern ein neues Sujet präsentieren, unsere langjährigen Mitglieder ehren, und natürlich unseren unverwechselbaren Sound zum Besten geben. Sollte dies trotzdem möglich werden, wäre das in der Tat fantastisch. Aber hier, wie auch bei allen anderen Überlegungen zu diesem Thema, gilt vor allem eins: Die Gesundheit und Sicherheit von unseren Mitgliedern, Familien, Gästen und die Verantwortung, welche wir auch gegenüber unseren Arbeitgebern zu tragen haben, geniesst absolute Priorität. Wenn wir die geforderten Rahmenbedingungen nicht erfüllen und unsere Verantwortung nicht wahrnehmen können, werden wir auf die Teilnahme oder die Organisation von Anlässen lieber verzichten und diese auf das nächste Jahr vertagen, wenn wir dadurch einen Beitrag zur Besserung der Lage leisten können. Hier sind wir zu
keinerlei Kompromissen und zu keinem Risiko berei
t.

Das lässt uns zurück mit einem relativ leeren Terminkalender und der Frage, was wir denn mit all dieser Zeit machen sollen. Macht das Proben Spass und Sinn, wenn man in naher Zukunft gar keine Auftritte absolvieren kann? Macht das Basteln an einem Sujet Freude, wenn man es in absehbarer Zeit voraussichtlich gar niemandem präsentieren kann? Die Antworte ist so einfach wie kurz: «JA». Denn das gehört zu unserem Vereins-leben, noch fast mehr als der Auftritt oder die Präsentation selbst. Zusammen musizieren und diskutieren über Sujets und über das Wie und Warum, über das Wie weit und Wann zu viel. Wir kümmern uns also aktuell vor allem um unsere Vereinskultur, angerei-chert mit Gelegenheiten, bei denen wir unsere Kameradschaft pflegen und trotz den widrigen Umständen zusammen etwas erleben können. Das hält uns Noggeler und unsere gemeinsame Freude an der Luzerner Fasnacht am Leben.

Wir werden also situativ entscheiden, was machbar und vertretbar ist. Das gilt inbesondere auch für unsere Anlässe im Hotel Schweizerhof – Sorry – Noggelerhof. Unsere Gönner und Freunde werden wir bis circa Mitte Dezember informie-ren, inwiefern und in welcher Art eine Durchführung möglich sein wird. Selbstverständlich hoffen wir, auch in diesem speziellen Jahr auf die Unterstützung unserer Gönnerinnen und Gönner zählen zu dürfen. In diesem Sinne bedanken wir uns schon jetzt ganz herzlich dafür!

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