Das Blue Chicago – Herz des Blues!

Für alle, die noch nie den Blues hatten ist dieses Lokal eine Pflichtübung. Für alle anderen auch: Das Blue Chicago in Chicago! Das echte, wahre, einzige Blueslokal in dieser Stadt. Nichts ist vergleichbar mit dem Blue Chicago. Aber auch rein gar nichts.

Das Blue Chicago. Ein Blues Lokal wie es besser nicht sein könnte. Ich spreche hier von demjenigen an der 536 Clark Street in Chicago. Die Clark Street ist eine Parallelstrasse zur Michigan Avenue. Es gibt noch ein zweites Blue Chicago, zwei Blöcke Richtung Water-Tower. Von dem sprechen wir hier nicht, weil es dort keinen keinen Lorenzo an Türe und keinen Allan hinter der Bar gibt. Ja der Lorenzo, er sitzt entweder auf seinem Barhocker an der Türe. Das es ein Barhocker ist, das sieht man genau dann, wenn er mal zwischendurch aufsteht und nach draussen geht um die allgemeine Lage an der Clark Street zu prüfen. Dieses Aufstehen ist aus der Ferne betrachtet eine lockere Angelegenheit, bedenkt man aber, dass Lorenzo ‚a big guy‘ ist, könnte das durchaus Schwerarbeit für seine Gelenke darstellen. Das macht es aber genau aus, dass er ziemlich ein Apparat ist, meine ich. Das lässt den Brocken einfach sehr gemütlich wirken. Dieser Eindruck wird bei längerer Betrachtung nur bestätigt. Lorenzo lässt sich durch gar nichts, aber durch rein gar nichts aus der Ruhe bringen. Sogar spontane Lachanfälle bringen seine Masse praktisch nicht in Bewegung. Das Lachen von Lorenzo beschränkt sich auf leichtes anheben der Mundwinkel, zukneifen der Augenlieder und durch eine Art Schüttel-Rüttel Bewegung seiner linken Brustpartie. Sein Äusseres wirkt sehr lässig. Bluejeans, was denn sonst im Blue Chicago, T-Shirt und/oder ein Holzfällerhemd und zwischendurch mal eine schwarze Wollmütze. In der linken Hand immer das obligate Bündel Dollarbills, fein säuberlich aufsteigend sortiert und mit einem Gummiband gesichert. Ab und zu rutscht das Bündel in die rechte, hintere Hosentasche. Zum Beispiel dann, wenn er zu vorgerückter Stunde mit Allan, dem Barkeeper, der könnte rein äusserlich ein Ire sein, seinen Whisky-Shot in einer Sekunde hinter die Kehle bringt. Klap-Tap und weg ist er. Diese Aktion hat denn auch Böni und mich am ersten Abend dazu bewogen, ebenfalls einen solchen Schlagabtausch zu tätigen. Nun gut, es blieb dann nicht bei einem …

Als dann die Zeit derart vorgerückt war, dass das Blue Chicago zu schliessen drohte, mussten wir uns bei Lorenzo erkundigen, wo man den nach dem Blue Chicago hingehe? Nun, er hat uns auf sein Stammlokal verwiesen, das eigentlich gleich über die Strasse, zwei Blöcke weiter unten läge. Unserem Zustand entsprechend fanden wir es natürlich nicht. Wir wählten dann halt ein anderes Lokal aus, das auch nicht grundschlecht war. Jetzt kommt der springende Punkt. Lorenzo hat sich definitiv in unserer Seele einen Ehrenplatz verdient. Er hat uns in Chicago gesucht! Stellt euch das vor, er hat uns in der Clark Street gesucht um uns ins richtige Lokal zu bringen, unglaublich!

Was ist denn nun mit dem Blue Chicago? Eben ein Blues Lokal von besonderer Güte, um das mal in Worten von Böni auszudrücken. Jeden Abend Live Musik, Blues eben, meist mit weiblicher Besetzung am Gesang. Interessant ist, dass die meisten Besucher Weisse und die meisten Musikanten Schwarze sind. Es gibt jedoch auch Schwarze Besucher, die dann meist von den Weissen Besuchern zum Tanz aufgefordert werden. Mit mehr oder weniger Erfolg… Wenn der Erfolg dann ganz ausbleibt oder der Gedanke man könnte eine Dame zum Tanz auffordern nicht mehr in Kleinhirn vordringt, dann tut es in der Not auch ein Barhocker, gäll Stöpsu! Übrigens, zum Thema Farbe ist noch anzumerken, dass Lorenzo auch zu den eher stark pigmentierten Erdenbewohnern gehört, was ihn nochmals um ein mehrfaches sympathischer erscheinen lässt. Die Musik, der Sound, der Groove welcher im Blue Chicago aus den Lautsprechern dröhnt, lässt sich leider nicht in Worte fassen, jedenfalls nicht so wie er es verdient hat. Ich kann nur eins sagen: „Absolut blues!“.

Nun es gibt noch viele Geschichten zu Erlebtem im Blue Chicago, wir waren ja auch jeden Abend zu Gast. Nur den Eintritt haben Böni und ich nur das erste Mal entrichten müssen, die restlichen Male wurden wir von …, genau von Lorenzo durchgewunken. Gut wir haben ihm auch jeden Abend die Bude gefüllt mit diesen schwarzen Jacken mit dem Noggeler Emblem. Am letzten Abend war es dann auch so weit, dass die Noggeler definitiv die Mehrzahl der Besucher darstellten. Auch wenn einige nur noch mit ihrem Körper da waren, weil der Geist oder eben der Blues schon „druus“ war. Egal, Hauptsache dabei! Mit den schwarzen Jacken hatte man auch den Vorteil, dass man zu der Stunde wo das Blue Chicago eigentlich zu schliessen begann, man durch die hinausströmenden Gästeschar hineinkam, also genau in der Gegenrichtung, um dann an der Bar ein „Goose Island“, ein lokales Bier zu bestellen, es nicht bezahlen zu müssen und dieses zu geniessen währendem die Musiker ihre Instrumente zusammen-packten. Das lies dann auch hin und wieder ein Schwätzchen mit den Bluesern zu. Ja da ist noch die eine Geschichte die auch fotografisch dokumentiert wurde. Unser Webmaster hatte die packende Idee, dem lieben Lorenzo eine original Noggeler-Strickkappe zu schenken. Nun der Umstand, dass bei Lorenzo alles ein bisschen grösser, breiter und schwerer ist, jedenfalls als beim Webmaster, hat dieses Vorhaben leicht behindert. Nachdem die Übergabe vollbracht war, wollte sich Lorenzo die neue Kappe natürlich auf sein Haupt setzen. Dabei blieb es auch, beim Setzen. Denn nach unten ging die einfach nicht. Da kam zum Glück der liebe Matthias dem Webmaster zu Hilfe und mit Schwung zog er mit seinem ganzen Lebendgewicht am unteren Rand der Kappe und schwups, der Lorenzo sah nichts mehr … einfach dunkel, noch dunkeler als sonst. Die einzige Reaktion war, dass sich seine, ja sie ahnen es, genau seine Mundwinkel leicht nach oben, die Augen, nein die sah man ja nicht mehr, aber seine linke Brustpartie begann zu Rütteln und Schütteln. So, das war das Blue Chicago, da wär noch das mit dem neuen Besitzer, aber lassen wir das … also gut: Der neue Besitzer bin ich!

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